Die Grelckstraße und das alte Dorf

Leider müssen wir zunächst festhalten, dass der Behrmannplatz auch kein wirklicher Platz mehr ist. Zumindest nicht in dem Sinne, dass man dort verweilen möchte oder man etwa sagen würde: „Treffen wir uns doch heute Abend am Behrmannplatz.“

Nach dem Ende der Ära der Linie 2 war es am Siemersplatz ungemütlich geworden. Zwangsläufig richtete sich der Fokus damals auf den verbliebenen Teil des alten Zentrums.

Bei Horst Grigat heißt es dazu: „Lokstedt hatte sich bis 1980 noch eine relative ruhige Einkaufsmeile bewahren können: die Grelckstraße. Hier war noch ein wenig vom altern Lokstedt zu spüren. In den vielen, zum Teil kleinen Fachgeschäften kannte man seine Kunden noch mit Namen. Man hatte Zeit für Beratung und einen kleinen Klönschnack. Die Gemütlichkeit machte den Charme dieser Straße aus. So schien sich allmählich das Einkaufszentrum vom lauten und immer verkehrsreicheren Siemersplatz wieder zum einstigen Ortsmittelpunkt zurückzuverlagern. Der Wunsch der Lokstedter nach einem neuen Ortszentrum war groß. Zahlreiche Umfragen ergaben, dass sich die Grelckstraße als Orts- und Einkaufszentrum geradezu anbietet. 47 % der Bürger sprachen sich für eine Fußgängerzone dort aus, 49 % für eine verkehrsberuhigte Zone, 4,3 % für eine Einbahnregelung. Das Tiefbauamt Eimsbüttel legte einen detaillierten Plan für die Umgestaltung der Grelckstraße als verkehrsberuhigte Zone vor. Der Entwurf fand die einstimmige Billigung des Ortsausschusses. Im Einzelnen sah er Gehwege, Fahrbahn und Parkplätze auf einem Niveau vor, so dass Fußgänger und Autofahrer gleichberechtigt waren. Dadurch wollte man auch erreichen, dass der Durchgangsverkehr aus der Grelckstraße herausgehalten werde. Nach 18-monatiger Bauzeit konnte die "Verkehrsberuhigte Zone Grelckstraße" vom Juli 1985 an wieder befahren werden. Autos konnten sich durch die grüne Oase jedoch nur noch im Schritttempo bewegen. Die Neugestaltung wurde am 31.08.1985 mit einem ‚Lokstedter Dorffest‘ groß gefeiert.“

Kein Erfolgsmodell

Nach 28 Jahren Verkehrsberuhigter Zone Grelckstraße kann nun eine Bestandsaufnahme gewagt werden: Die Verkehrsberuhigung brachte nicht wirklich den Durchbruch. Und das hatte verschiedene Gründe.

Die Grelckstraße war historisch betrachtet immer eine Durchgangsstraße gewesen. Schon vor 200 Jahren wurden hier Viehherden durchgetrieben.
Nachdem allerdings Mitte der 1970er Jahr die Julius-Vosseler-Straße mit der Vogt-Wells-Straße verbunden wurde, reduzierte sich der Verkehr in der Grelckstraße. Erst aus diesem Grund konnte man eine Verkehrsberuhigte Straße überhaupt ins Auge fassen. 1994 verfiel man dort sogar auf die aus heutiger Sicht völlig unsinnige Maßnahme mittels Blumenkübeln weitere Verkehrsschikanen einzubauen.

Aktuell hat sich die Situation aber massiv verändert. Feldhoopstücken wurde in drei Stufen massiv bebaut. Brachten die Seniorenwohnungen der ersten Bauphase noch wenig zusätzlichen Verkehr in das ehemalige Arbeiterquartier, herrscht hier häufig stop and go.

Soziale Kontakte

Auch in der Grelckstraße fehlt zusehends der öffentliche Raum. Zudem fehlt es wie in ganz Lokstedt an Orten für Begegnungen. Es gibt ein Restaurant und zwei Cafés. Stellen die Geschäftsinhaber auch nur eine Reihe Tische mit Stühlen auf, wird es schon eng.

Es gibt keinen Radfahrweg. Ältere Radfahrer meiden daher das Dorf. Für Aktivitäten oder Veranstaltungen ist die Grelckstraße nur noch an Markttagen geeignet. Dann aber staut sich der Verkehr rings herum. In Ruhe im Café sitzen und auf den Platz schauen, einen Ort im Winter zu haben wo etwa Weihnachtsbeleuchtung Sinn machen würde. Fehlanzeige.
Da klingt es schon wie Hohn, wenn das Niendorfer Wochenblatt im September 2012 in einem Artikel über den lebendigen Siemersplatz hinzufügt: Der Siemersplatz habe mit der nahen Grelckstraße auch noch eine hübsche, ruhige und ebenfalls erfolgreiche Schwester zu bieten.

Der kleine Wochenmarkt

Jeden Mittwoch ist Markttag in der Grelckstraße. Urgemütlich geht es auf dem kleinen Wochenmarkt zu. Ein gutes Dutzend Marktbetreiber halten hier ein reichhaltiges Angebot für die Besucher bereit. Aber Fußgänger, Autofahrer, Fahrradfahrer und Marktbeschicker, haben nach wie vor Probleme mit diesem provisorisch in der Grelckstraße abgehaltenen Markt.

Horst Grigat schildert die Situation: „Am 06.09.1989 wurde dann Hamburgs 52. und jüngster Wochenmarkt in der Grelckstraße zunächst probeweise für ein Jahr eröffnet. Über 20 Markthändler boten hier mittwochs von 8.30 - 13.00 Uhr ihre Waren an. Die Grelckstraße wurde an Markttagen von 6.00 - 16.00 Uhr für den Durchgangsverkehr gesperrt. Nach der Probezeit schien es, als ob der Wochenmarkt nicht so recht laufen würde. Von anfangs 24 Marktbeschickern waren 1990 im Durchschnitt nur noch 10 dabei. Man ließ den Markt jedoch bis heute weiterlaufen.

Die eigentliche Lokstedter Marktfläche, 3500 qm groß, lag 1992 laut Bebauungsplan Lokstedt 37 am Feldhoopstücken und bot Platz für 40 - 50 Marktstände. Man hielt an der Ausweisung als Marktfläche fest, weil Lokstedt sonst keine größere Freifläche hatte, die außer für den Wochenmarkt auch für Stadtteilfeste, Jahrmarkt oder Kommunikation schlechthin hätte dienen können.“

Quellen:
Horst Grigat: „Hamburg – Lokstedt, von der Steinzeit bis zum Jahre 2000“.

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