Der Siemersplatz gestern, heute und morgen

In den 1970er Jahren bestanden noch Hoffnungen, dass der Siemersplatz, der als Verkehrsknotenpunkt der Straßenverbindungen Eppendorf - Autobahn Stellingen (A7) - Elbtunnel und Hoheluft - Autobahn Schnelsen wesentlich an Bedeutung gewonnen hat, mehr und mehr zum Ortszentrum werden wird.

Gestern

So schreibt Horst Grigat: „Und dennoch: Der Siemersplatz war 1973 zum Herzen Lokstedts geworden. Die Geschäfte dort waren alle ein wenig kleiner und individueller. Man kannte sich und hatte Vertrauen zueinander. Es wurde auch viel geschimpft am Siemersplatz.“ Aber Grigat räumt auch ein: „Als Verkehrsknotenpunkt war er katastrophal, nicht nur für die Autofahrer. Die Fußgänger konnten die andere Seite nur auf sehr umständliche Weise erreichen. Der Siemersplatz war eher ein "Tagplatz". Für die Flaniermeile auch am Abend fehlte ihm der Reiz verträumter Ecken, kleiner intimer Lokale, stiller Wege.“

Dies zeichnet ein ambivalentes Bild des damaligen Siemersplatzes. Und tatsächlich waren wohl die 1970er Jahre entscheidend für den Untergang des Siemersplatzes.

Denn schon 1976 schwindet die Hoffnung auf eine positive Entwicklung. Es ist mittlerweile klar, dass ohne einen heilenden Eingriff seitens der Stadt, der Platz nicht zu retten sein wird. So wünscht denn bereits 1976 die Lokstedter Zeitung von 1929: "Vielen Lokstedtern wird sich die Frage stellen, was denn nun 1976 mit dem Siemersplatz passiert. Trotz anerkennenswerter Bemühungen der Geschäftsleute hat er einfach nicht die Ausstrahlung, die nun einmal zu einem richtigen Einkaufsbummel gehört. Gerade auch in der Vorweihnachtszeit. Von den Verkehrsproblemen einmal ganz zu schweigen. Wollen wir hoffen, dass man trotz der angespannten Finanzlage der Stadt in der Lage ist, im nächsten Jahr etwas zu tun, damit Lokstedt endlich einmal ein richtiges Zentrum bekommt."

Heute

Doch der fromme Wunsch auf ein Wunder wird von der Stadt nicht erfüllt. Der Siemersplatz, die Vogt-Wells-Straße und der Behrmannplatz verlieren ihre Zentrenfunktion. Der Zusammenhang des Ortszentrums ist zerstört, einzig die Grelckstraße bleibt von der Entwicklung verschont.

Im November 2012 macht Abendblatt-Redakteur Christoph Rybarczyk für uns eine Bestandsaufnahme. Unter dem Titel: „Mein Abenteuer in Lokstedt“ schreibt er: „Ich radele zum Siemersplatz. Kein Platz wie Place de la Irgendwas oder Piazza de Soundso. Eine der lautesten und schäbigsten Kreuzungen Hamburgs.“

Aus Niendorfer Sicht, stellt sich das natürlich etwas anders dar. Das Niendorfer Wochenblatt schreibt ebenfalls 2012: „Wurde der Siemersplatz in der Vergangenheit oft auf seine Probleme als Verkehrsknotenplatz reduziert, so mausert er sich mittlerweile zum attraktiven Zentrum für Lokstedt…Damals wie heute ist der Siemersplatz vor allem eins: herrlich lebendig.

Doch zu offensichtlich hier die Interessenlage der Niendorfer. Sie sind interessiert daran, dass alles bleibt wie es immer war: Seit 1970 wird der Tibarg mit Millionensummen gefördert und regelmäßig umgebaut - manchmal auch verschönert.

Nun möchten die Niendorfer gar im Bereich Niendorf Nord ein zweites attraktives Zentrum. Aktuell bereiten die Landschaftsarchitekten Munder und Erezpsky den Niendorfern viel Freude, sie planen eine Mulitfunktionsfläche in runder Form. Dort wollen dann die Niendorfer entspannt einkaufen, während die Lokstedter ihre Kaufkraft weiter in den Tibarg tragen. Dafür wirbt der Tibarg gar am Siemersplatz.

Morgen

Soeben wurden die Straßenarbeiten für das Busbeschleunigungsprogramm am Siemersplatz abgeschlossen und es gibt dort keinen Platz mehr geben. Der öffentliche Raum ist auf das absolut notwendige Minimum reduziert. Jeweils drei Fahrspuren, nebst Abbiegespuren und die Busspuren, auf denen die größten Niederflurbusse der Welt beschleunigt verkehren, werden so eng zwischen die Häuser gequetscht, dass kaum noch Raum für Fußgänger und Fahrradfahrer bleibt.

Es kommen zwei neue Ampeln hinzu, Fußgänger müssen sich auf längere Wartezeiten auf engeren Verkehrsinseln einstellen und Anwohner auf mehr Lärm. Ältere Bürger werden sich kaum noch wagen, auf die andere Seite zu wechseln.

Die Umbauphase von 21 Monaten verkraften nur wenige der dort ansässigen Geschäfte. Zumal mancher Inhaber noch das schlechte Betriebsergebnis aus dem Jahr 2011 verdaut. 2011 wurde ja schon einmal alles neu gemacht.

Und weitere Bäume werden gefällt werden, die versprochenen Neuanpflanzungen finden aber nur auf den Bauzeichnungen statt. So entnehmen wir aktuell dem Niendorfer Wochenblatt, dass die Bäume - wer hätte das gedacht - nun doch nicht gepflanzt werden können. Verkehrsinseln seien kein idealer Standort für Bäume.

Nachdem nun hinreichend geklärt sein dürfte, dass die Hoffnungen der Lokstedter auf ein Zentrum am Siemersplatz – der nun kein Platz sondern nur noch eine Kreuzung ist - kaum mehr verwirklicht werden können, liegt es nahe den Behrmannplatz und die Grelckstraße zu stärken.

Quellen:
Horst Grigat: „Hamburg – Lokstedt, von der Steinzeit bis zum Jahre 2000“.

Was wurde alles unternommen den Siemersplatz zu retten:
www.lokstedt.de

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