Treffen mit der SPD

Ein vorsichtiges Herantasten

Mitten im alten Lokstedter Dorf, in der Konditorei Horn, trafen wir uns am 4.11.2013 mit Vertretern der SPD. Bei Kaffee und heißer Schokolade diskutierten Marc Schemmel (Mitglied im SPD-Fraktionsvorstand und Niendorfer Abgeordneter), Rüdiger Rust (Vorsitzender der SPD-Bezirksfraktion und Lokstedter Abgeordneter), Ernst-Christian Schütt (Vorsitzender der SPD Lokstedt), Dr. Florian Wagner (Stellvertretendes Ausschussmitglied der SPD-Bezirksfraktion), Hansjürgen Rhein (Bürgerhaus Lokstedt) sowie Michael Meyborg, Marion Ditz und Christin Döring von der Bürgerinitiative „Ein Zentrum für Lokstedt“ über eine neue Mitte.

Etwas holprig startete das Gespräch, weil die SPD unsere Behauptung, die Infrastruktur in Lokstedt liegt am Boden, so nicht stehen lassen wollte. Marc Schemmel verwies auf die vielen Ärzte, Schulen, Kitas und Spielplätze vor Ort. In der Tat, auch wir sehen die Grundversorgung hier gewährleistet. Aber darüber hinaus? Wie sieht es mit Treffpunkten für die Bewohner aus? Die Gastronomie und der Einzelhandel können nur mit „mangelhaft“ benotet werden. Auch der Verkehr schneidet nicht viel besser ab.

Hansjürgen Rhein betonte, dass dies auch das Gefühl der Lokstedter selbst ausdrückt, in ihrem Stadtteil zu wenige Begegnungsmöglichkeiten zu haben. Diese Aufgabe soll laut aktuellem Einzelhandelskonzept Eimsbüttel auch das Stadtteilzentrum leisten. Aber unser jetziges Zentrum, das den Siemersplatz, die Vogt-Wells-Straße und die Grelckstraße umfasst, erfüllt nur dürftig die Anforderungen einer Nahversorgung und wird seiner Aufgabe als Identifikationsort in keinster Weise gerecht. Der Satz eines Hamburger Professors bringt es auf den Punkt: „Lokstedt hat kein Gesicht!“

Die Bürgerinitiative berichtete von ihren Gesprächen mit Hunderten Lokstedtern, die mehrheitlich ein sehr großes Interesse an einem neuen Zentrum am Behrmannplatz zeigen. Viele Wünsche nach mehr Einkaufsmöglichkeiten, mehr Restaurants und Cafés sowie mehr gemeinsamen Stadtteilleben werden an uns herangetragen. Wir rennen offene Türen ein.

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, darüber herrschte Einigkeit. Schließlich war es auch die SPD, die zusammen mit allen anderen Fraktionen den Antrag „Perspektiven für den Stadtteil Lokstedt“, in dem es u.a. um die Förderung des Lokstedter Zentrums geht, im Regionalausschuss beschloss. Und als wir Marc Schemmel nach der Veranstaltung „Olaf Scholz im Gespräch“ um ein Treffen mit der SPD baten, reagierte er umgehend.

Allerdings in der Frage, was konkret zu tun sei, gibt es verschiedene Meinungen.

Wir möchten auf dem Gelände am Behrmannplatz mehr Gewerbeflächen als es der Bebauungsplanentwurf Lokstedt 61 vorsieht, damit hier eine neue Stadteilmitte entstehen kann, die diesen Namen auch verdient – ein Ort des Austauschs und des Miteinanders. Diese Funktion erfüllt aus unserer Sicht ein dem Stadtteil angemessenes Einkaufszentrum. Da der Bezirk die Planungshoheit hat, könnte die SPD diesen Entwurf zugunsten einer größeren gewerblichen Nutzung ändern.

Doch die SPD hält zurzeit an Lokstedt 61 fest, der vorwiegend Wohnungsbau und nur wenige Gewerbeflächen vorsieht. Nach Meinung der anwesenden SPD-Politiker würde seine Umsetzung die Zentrenfunktion an diesem Standort ausreichend stärken.

Auch von dem Vorhaben, auf der DRK- und THW-Fläche 30 % Sozialwohnungen zu errichten, rücken sie nicht ab. Ernst Christian Schütt betonte, dass gerade im Hinblick auf die zahlreichen teuren Neubauten im Stadtteil ein Angebot bezahlbarer Wohnungen äußerst wichtig sei. Schließlich sollen sich nicht nur Besserverdiener ein Leben in Lokstedt leisten können. Auf unsere Frage, ob man die zweifelsohne dringend benötigten Sozialwohnungen auch an einem anderen Standort in Lokstedt verwirklichen könnte, antwortete Rüdiger Rust mit einem Nein. Momentan stünden dafür keine anderen Flächen zur Verfügung.

Wir äußerten unsere Bedenken, dass diese Vorgabe mögliche Investoren abschrecken könnte. Schließlich gibt es nur am Behrmannplatz, in der historischen Mitte Lokstedts und in direkter Nachbarschaft zur Grelckstraße, die Möglichkeit für den Bau eines neuen Zentrums.

An Schluss fragten wir nach alternativen Maßnahmen für eine positive Zentrumsentwicklung in Lokstedt. Daraufhin informierte uns Rüdiger Rust darüber, dass 175.000 Euro für die Stadtmöblierung am Siemersplatz investiert werden. Geld, das schon vor langer Zeit für diesen Zweck zur Verfügung gestellt wurde.

Mit der gegenseitigen Zusicherung auf weitere Treffen – spätestens im neuen Jahr, wenn die ersten Arbeitsergebnisse der Gremienberatungen des Bezirks zum interfraktionellen Antrag der Bezirksversammlung vorliegen – und einen engen Informationsaustausch ging ein intensives Gespräch zu Ende. Und wir von der Bürgerinitiative traten trotz manch für uns unbefriedigender Antwort mit dem guten Gefühl einer Annäherung den Heimweg an.

Christin Döring

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